Download

 

 




Lagny (Oise)



Wojcieszyce, Lubusz Voivodeship



Northwest Staging Route



Google Earth - Geschichte einer Geheimdienst-Software

       


    Die bewegte Geschichte von Google Earth nimmt ihren Anfang im Jahr 2001. Michael T. Jones, heute Technischer Sachverständiger (Chief Technology Advocate) bei Google1, gründete in diesem Jahr das Unternehmen Keyhole Corp.,2 welches die Google Earth Software unter dem Namen "Keyhole" startete und bis zur Übernahme durch Google im Jahr 2004 zum sog. "Earth Viewer" weiterentwickelte. Das Unternehmen arbeitete an einer ganzen Serie von Anwendungen, so bspw. auch am EarthStream, einem Navigationsmodul für Kraftfahrzeuge. Die grundsätzliche Idee lag darin Satellitenphotos, Luftaufnahmen und dreidimensionale Geoinformationssysteme so zu überlagern, dass ein virtueller 3D-Globus entsteht.

    Die Keyhole Corp. war zunächst eine Abspaltung des Unternehmens Intrinsic Graphics3 und betrat mit ihrer Arbeit zur Geodatenvisulisierung vollkommenes Neuland. Der Name Keyhole (Schlüsselloch) wurde als Reminiszenz an eine Serie von optischen Militärspionagesatelliten aus den USA gewählt.4 Zu den ersten vier Risikokapitalgebern zählten ein Sony nahestehender Fond, die NVIDIA Corporation, mit einer der größten Entwickler von Grafikprozeßoren und Chipsätzen für PCs und Spielekonsolen, der Business Angel Brian McClendon, der später auch Vorstandmitglied bei der Keyhole Corp. wurde sowie der dem us-amerikanischen Geheimdienst CIA angeschloßene Risikokapitalgeber In-Q-Tel.

    In-Q-Tel5 ist dabei jedoch nur scheinbar ein Privatunternehmen mit Sitz in Virginia, USA und somit nur nominell rechtlich unabhängig von der CIA, denn In-Q-Tel wurde de facto von der CIA gegründet. Die CIA suchte in 90er Jahren nach Möglichkeiten den Chancen und Herausforderungen die mit der informationellen Revolution einhergehen würden zu begegnen, um ihrem Kerninteresse nach geheimem Sammeln von Daten und einer möglichst breiten Quellenanalyse nachkommen zu können. Dem Geheimdienst war dabei klar, nicht mit den marktwirtschaftlichen Kräften der IT-Branche in Konkurrenz treten zu können und auch nicht zu wollen, sondern sich auf das Datensammeln und -auswerten konzentrieren zu wollen. Es galt also einen Weg zu finden, nicht nur als Käufer von IT-Produkten aufzutreten, sondern auch als Verkäufer ohne dabei selbst direkt aktiv werden zu müßen.6 Der CIA sah sich gezwungen der IT-Branche einerseits etwas von Wert an die Hand zu reichen und ein Geschäftsmodell anzubieten, welches verstanden werden würde. Die Lösung bestand in der Gründung von In-Q-Tel. Man würde den Markt darüber informieren welche Technologie der CIA benötigt und bot den mit In-Q-Tel kooperierenden Unternehmen an7, bei der Vermarktung neuer Technologien behilflich zu sein.8

    Im Februar 2003 unternahm In-Q-Tel seine strategische Investition in die Keyhole Corp. wobei die CIA eng mit anderen nachrichtendienstlichen Organisationen kooperierte, um deren Bedürfniße in die Entwicklungen des zukünftigen EarthViewers einfließen laßen zu können. Das Ergebnis der strategischen Zusammenarbeit revolutionierte die Arbeit der Geheimdienstmitarbeiter in Bezug auf Geodaten und reale Satellitenaufnahmen. Komplexes Datenmaterial konnte nun angeordnet auf verschiedenen Ebenen, sehr einfach mit realistischen Bildern in Zusammenhang gebracht werden. Die ersten Käufer der bahnbrechenden Software ließen dann auch nicht lange auf sich warten. Der neue Globus war sowohl für die US-Armee, das Verteidigungsministerium, die Nationale Agentur für Geographische Aufklärung (ehem. NIMA), verschiedene Geheimdienste als auch für private Unternehmen aus dem Immobiliensektor, für Stadtplaner und Landesregierungen von großem Interesse.

    Aber erst mit der us-amerikanischen Invasion im Irak am 19. März 2003 erlangte der EarthViewer übergeordnetes Interesse. Nachdem verschiedene Fernsehanstalten wie ABC, NBC, CNN die Software nutzten, um ihre Kriegsberichterstattung auch grafisch aufzuarbeiten wurde die neue Technologie weltbekannt. So wurde auch das noch junge Suchmaschinenunternehmen Google auf das 3D-Atlas-Programm aufmerksam. Nachdem Google am 19. August 20049 seinen Börsengang vollzog, erwarb das Unternehmen nur drei Monate später am 27. Oktober 200410 die Keyhole Corp. und damit den Earth Viewer, aus dem am 28. Juni 2005 die erste Version von Google Earth hervorging.11 Google pflegt spätestens seit dem Kauf der Keyhole Corp. enge Beziehungen zu den amerikanischen Geheimdiesten.12

    Die Portierung auf Mac OS X erfolgte bereits im Januar 2006, die Linux-Portierung wurde im Juni 2006 veröffentlicht. Bis Ende 2011 wurde das Programm über 1 Milliarde mal heruntergeladen! 13

    Mittlerweile hat Google den ursprünglichen Earth Viewer um eine Vielzahl von innovativen neuen Möglichkeiten erweitert und wurde nicht zuletzt auch innerhalb von Google Maps und Google Mobile für Millionen von Menschen weltweit zu einem Werkzeug im Alltag.

    Aber auch Google Earth selbst wird stetig weiterentwickelt. So ist es mittlerweile möglich die Oberfläche unseres Nachbarplaneten Mars sowie unseres Mondes zu erkunden. Google erweitert beinahe monatlich seine StreetView-Funktion wodurch die photorealistische Erkundung anderer Städte und Länder möglich ist. Aber auch Unterwasser kann der virtuelle 3D-Globus zur Entdeckungsreise genutzt werden und soll noch in 2013 auch photorealistische Bilder des australischen Great Barrier Reefs bieten.

    Aktuell liegen zwei Version der Anwendung vor: Google Earth und Google Earth Pro. Google Earth ist eine kostenlose Anwendung, die jedermann frei zur Verfügung steht und hier geladen werden kann. Google Earth Pro ist ein erweitertes Programm mit zusätzlichen Funktionen, die sich insbesondere an gewerbliche Nutzer wendet.

    Für ihre Leistungen wurden die Gründer von Keyhole im Jahr 2010 von der Geological Society of America mit der renommierten Präsidenten-Medaille ausgezeichnet.14 Zu den Gründern des Unternehmens zählen John Hanke, Chikai Ohazama, Mark Aubin, Phil Keslin und Avi Bar-Zeev. Zu den Gründern in beratender Funktion gehören Brian McClendon, Michael T. Jones, Chris Tanner und Rémi Arnaud.



    ---------------
    1 vgl. Google Ventures (14. Januar 2013)
    2 vgl. Waybackmachine (14. Januar 2013)
    3 vgl. Businessweek (14. Januar 2013)
    4 vgl. How stuff works (14. Januar 2013)
    5 vgl. In-Q-Tel (14. Januar 2013)
    6 vgl. Focus (14. Januar 2013)
    7 vgl. Business Insider, (14. Januar 2013) und Im Dienste eines strategischen Investors, (19. Januar 2013)
    8 vgl. CIA: Why was In-Q-Tel Created? (14. Januar 2013)
    9 vgl. Google IPO (14. Januar 2013)
    10 vgl. Google Pressemitteilung (14. Januar 2013)
    11 vgl. CIA's Impact on Technology (14. Januar 2013)
    12 vgl. NWO Observer und Wired (14. Januar 2013)
    13 vgl. Heise (14. Januar 2013)
    14 vgl. Geological Society of America (14. Januar 2013)

     

    Google Earth Geschichte